Wichtige Fragen zum Thema Organspende:

 

Wer sich fürs Leben entscheiden will, stellt sich dabei viele Fragen. Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen kompetent und umfassend, damit Sie auf einer guten Grundlage Ja zur Organspende sagen können.

 

Fragen zum Organspendeausweis

 

Wird meine Entscheidung fürs Leben registriert?

Die Bereitschaft, zur Organspende und fürs Leben einzutreten, wird in Deutschland nicht registriert. Deshalb ist es wichtig, die Entscheidung auf einem Organspendeausweis festzuhalten und die Familie darüber zu informieren.

Brauche ich eine ärztliche Untersuchung?

Nein, jeder kann einen Organspendeausweis ausfüllen. Eine ärztliche Untersuchung ist nicht nötig.

Bis zu welchem Alter kann ich Organe spenden?

In jedem Alter ist eine Entscheidung fürs Leben möglich. Was zählt, ist der Zustand der Organe. Dieser hängt nur bedingt vom jeweiligen Lebensalter ab. Ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Voruntersuchungen und der Arzt zum Zeitpunkt der Entnahme.

Ich bin noch keine 18 Jahre. Kann ich trotzdem einen Organspendeausweis ausfüllen?

Ja. Bereits ab 16 Jahren kann jeder seine Bereitschaft zur Organspende im Ausweis erklären. Ab dem 14. Lebensjahr kann man widersprechen.

Sollte ich den Organspendeausweis immer bei mir tragen?

Ja, am besten beim Personalausweis oder der Krankenversicherungskarte. Wichtig ist zudem, die Familie über die Entscheidung fürs Leben zu informieren.

Welche Organe kann ich spenden?

Geschenke fürs Leben sind Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm. Ebenso können Gewebe, wie die Augenhornhaut und Teile der Haut, anderen Menschen helfen.

Gibt es Krankheiten, die eine Organspende ausschließen?

Ja, wenn der Verstorbene eine nicht ausgeheilte Krebserkrankung hat oder wenn eine schwere Infektion besteht. Bei anderen Krankheiten entscheiden die Ärzte zum Zeitpunkt der Entnahme darüber, ob Organe transplantiert werden können.

Ist der Eintrag im Organspendeausweis auch rechtlich gültig?

Ja. Ist die Zustimmung darin festgehalten, ist die Organspende rechtlich zulässig. Die Angehörigen werden im Akutfall jedoch über die Entscheidung informiert.

Wird auf einer Intensivstation alles medizinisch Mögliche für mich getan, wenn ich einen Organspendeausweis habe?

Ja, natürlich. Oberstes Ziel der Ärzte und aller medizinischen Maßnahmen ist es, das Leben des Patienten zu retten. Manchmal kommt die Hilfe zu spät. Die Krankheit oder Unfallfolgen sind zu weit fortgeschritten und eine Rettung ist nicht mehr möglich. Auch dann stellt sich nur bei einem bestimmten Teil von Patienten die Frage einer Organspende. Denn die erste Voraussetzung für eine Organspende ist der festgestellte Tod durch den Nachweis des Ausfalls aller Hirnfunktionen (Hirntod).

Welche Voraussetzungen müssen für eine Organspende erfüllt sein?

Das Transplantationsgesetz schreibt zwei Bedingungen vor: Erstens muss der Hirntod des potenziellen Spenders zweifelsfrei festgestellt worden sein. Und zweitens muss eine Einwilligung vorliegen, z.B. durch den Organspendeausweis, durch eine vom Verstorbenen bestimmte Person oder durch Angehörige, die nach dem vermuteten Willen des Verstorbenen entschieden haben.

 


Organspende -
eine Entscheidung fürs Leben

 

Stimmt es, dass ich als Organspender mehreren Menschen das Leben retten kann?

Ja, im Durchschnitt hilft ein Organspender drei Empfängern, da durchschnittlich drei Organe entnommen werden können.

Warum ist meine Entscheidung für die Organspende so wichtig?

Weil sie Leben rettet. Jeder Organspender hilft nach seinem Tod anderen Menschen, die dringend auf ein neues Organ angewiesen sind. Die Bereitschaft zur Organspende bedeutet Solidarität und Nächstenliebe gegenüber seinen Mitmenschen.

Warum sollte ich mit meiner Familie über Organspende sprechen?

Für die Angehörigen ist es immer eine schwierige Situation, wenn ein nahe stehender Mensch verstirbt. Die Entscheidung für oder gegen Organspende ist in diesem Moment eine große zusätzliche Belastung. Deswegen ist es wichtig, dass die Angehörigen den Willen des Verstorbenen kennen und damit von dieser schwierigen Entscheidung befreit sind.

 

Wie kann ich meine Freunde und Verwandten dazu motivieren, einen Organspendeausweis auszufüllen?

Es gibt viele Argumente, die für einen Organspendeausweis sprechen. Das wichtigste ist, dass man anderen Menschen mit dieser Entscheidung die Chance auf ein zweites Leben schenkt. Außerdem sollte man bedenken, dass jeder in die Situation geraten kann, auf eine lebensrettende Organspende angewiesen zu sein und dieses Geschenk dann sicher auch gerne selbst annimmt. Wenn jeder bereit ist zu geben, hat jeder im Bedarfsfall auch eine größere Chance, ein lebensrettendes Organ zu bekommen.

Ist es möglich, nur bestimmte Organe zu spenden?

Ja. Dies kann man im Organspendeausweis entsprechend eintragen.

 

Welche Gewebe kann ich nach meinem Tod spenden?

Gespendet werden können beispielsweise die Augenhornhäute, Teile der Haut und der Blutgefäße, Knochengewebe, Knorpelgewebe und Sehnen.

Wie stehen die Kirchen zur Organspende?

Die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche haben bereits 1990 eine gemeinsame Erklärung zur Organspende herausgegeben. Diese befürwortet sowohl die Organspende nach dem Tod als auch zu Lebzeiten, sofern Organhandel ausgeschlossen, die Würde des Spenders gewahrt und die Freiwilligkeit der Lebendspende gegeben ist. Die Kirchen sehen in der Organspendebereitschaft ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarität mit Kranken und Behinderten. Papst Benedikt XVI. besitzt bereits seit vielen Jahren einen Organspendeausweis.

Wie stehen die Deutschen zur Organspende?

Laut Umfragen stehen die meisten der Organspende positiv gegenüber. Rund 67 Prozent der Befragten würden einer Organspende nach ihrem eigenen Tod zustimmen (TNS Healthcare, 2009).

Wie viele Bürger haben einen Organspendeausweis?

Nur siebzehn Prozent der Bundesbürger haben ihre Entscheidung fürs Leben in einem Ausweis vermerkt.

Wo bekomme ich einen Organspendeausweis?

Den Organspendeausweis gibt es zum Download oder zum Bestellen beim Infotelefon Organspende oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch die Krankenkassen und privaten Krankenversicherungsunternehmen stellen Organspendeausweise zur Verfügung. Bei Apotheken, Krankenhäusern und Einwohnermeldeämtern sowie in Arztpraxen sind sie ebenso erhältlich.

Hat die Familie ein Mitspracherecht, wenn ein Organspendeausweis vorliegt?

Nach dem Gesetz hat die Familie kein Recht auf eine abweichende Entscheidung. Liegt eine Zustimmung des Verstorbenen vor, wird die Familie jedoch über die Organspende informiert. Es ist daher besonders wichtig, dass jeder auch mit seinen Angehörigen über seine Entscheidung zur Organspende spricht.

Wie groß ist der Bedarf an Spenderorganen?

Insgesamt werden mehr Organe benötigt als gespendet. Im Jahr 2009 beispielsweise wurden 2.172 Nieren verpflanzt. Auf der Warteliste für eine Nierentransplantation standen hingegen 8.014 Patienten. Der Bedarf an Spendernieren ist am größten. Es folgen Leber, Herz und Lunge. Lediglich bei der Bauchspeicheldrüse und beim Dünndarm kann der Bedarf nahezu gedeckt werden.

Wie lange muss man auf ein Spenderorgan warten?

In Deutschland beträgt die Wartezeit für eine Niere fünf bis sechs Jahre. Für ein Herz, eine Lunge, eine Leber oder eine Bauchspeicheldrüse sind es ein bis zwei Jahre.

Wie viele Menschen warten auf ein Spenderorgan?

Insgesamt warten in Deutschland etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Drei davon sterben täglich, weil es nicht genügend Organspenden gibt.

Warum gibt es so lange Wartelisten für Spenderorgane?

Weil viele Menschen krank sind und nur durch eine Transplantation gerettet werden können. Leider herrscht immer noch ein Mangel an Spenderorganen, so dass nicht allen Patienten geholfen werden kann.

Wie wahrscheinlich ist es, selbst einmal ein Spenderorgan zu benötigen?

Im Prinzip kann jeder durch einen plötzlichen Unfall oder durch eine schwere Krankheit in die Lage geraten, auf eine Transplantation angewiesen zu sein. Rein statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit größer, selbst einmal ein Organ zu benötigen, als Organspender zu werden.

Kann ich zu Lebzeiten Organe spenden?

Ja, eine Nieren- oder Teilleberspende ist möglich, sofern die Gesundheit des Spenders nicht akut gefährdet wird. Die Lebendspende ist allerdings gesetzlich nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades (z.B. Eltern oder Geschwister des Empfängers), unter Ehepartnern, Verlobten oder zu Gunsten anderer Personen, die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit nahe stehen, erlaubt. Nach dem deutschen Transplantationsgesetz hat die postmortale Spende Vorrang vor der Lebendspende. Jedem Patient soll damit die Chance gegeben werden, ein postmortales Organ zu erhalten.

Wird die Organspende finanziell entschädigt?

Nein. Sie beruht ausschließlich auf einer freiwilligen, altruistischen Entscheidung fürs Leben. Nach dem Transplantationsgesetz darf die Bereitschaft zur Organspende nicht von wirtschaftlichen Überlegungen abhängen.

Gibt es Organhandel in Deutschland?

Nein. In Deutschland ist kein Fall von Organhandel bekannt. Mit dem Transplantationsgesetz ist der Organhandel unter Strafe gestellt.

Können sich die Angehörigen nach der Organspende noch einmal von dem Verstorbenen verabschieden?

Ja. Die Angehörigen können sich nach der Organentnahme in jeder gewünschten Weise vom Verstorbenen verabschieden. Der Leichnam wird in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben.

Wer ist für die Organspende zuständig? Wer ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation?

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) trägt seit Juli 2000 die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Organspende. Sie ist – gemäß dem Transplantationsgesetz - als bundesweite Koordinierungsstelle für Organspende beauftragt. Ihre Aufgaben sind mit der Bundesärztekammer, dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen und der deutschen Krankenhausgesellschaft vertraglich festgelegt. Die DSO unterstützt alle Krankenhäuser im Organspendeprozess und stimmt die Zusammenarbeit mit der internationalen Vermittlungsstelle für Spenderorgane (Eurotransplant) und den rund 50 Transplantationszentren in Deutschland ab.

Was ist der Hirntod?

Der Hirntod ist der unumkehrbare Ausfall des gesamten Gehirns, also des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Das Gehirn ist das übergeordnete Steuerorgan aller elementaren Lebensvorgänge. Mit seinem Tod ist auch der Mensch in seiner Ganzheit gestorben.

Wie ist der Ablauf bei einer Organspende?

Wenn bei einem Verstorbenen der Hirntod zweifelsfrei von zwei unabhängigen Ärzten festgestellt wurde und eine Zustimmung zur Organspende vorliegt, werden die erforderlichen Laboruntersuchungen und medizinischen Tests durchgeführt. Die Organentnahme wird vorbereitet und die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) informiert, die für die Vermittlung der entnommenen Organe zuständig ist. Die Bundesärztekammer hat die Richtlinien für die Zuteilung von Organen in Deutschland streng geregelt. Ist ein geeigneter Empfänger ermittelt, werden die entnommenen und konservierten Organe in die betreffenden Transplantationszentren transportiert.

Kann ich bestimmen, wer ein nach dem Tode gespendetes Organ bekommt?

Nein. Es ist weder möglich, einen Empfänger festzulegen noch bestimmte Personen auszuschließen. Die gespendeten Organe werden nach festgelegten rein medizinischen Kriterien durch die unabhängige Vermittlungsstelle Eurotransplant an die Patienten auf den Wartelisten vergeben. Für Deutschland hat die Bundesärztekammer genaue Richtlinien verfasst. Im Vordergrund stehen die Dringlichkeit und Erfolgsaussicht.

Erfährt der Empfänger etwas über den Spender?

Nein. Der Name des Spenders wird dem Empfänger nicht mitgeteilt. Umgekehrt gilt: Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer ein gespendetes Organ erhalten hat. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation teilt den Angehörigen auf Wunsch jedoch mit, dass das Organ oder die Organe erfolgreich transplantiert werden konnten.

 

Muss ich die Absicht, Organe zu spenden, testamentarisch festhalten?

Nein. Die persönliche Bereitschaft, nach dem Tod anderen Menschen durch eine Organspende zu helfen, kann völlig unbürokratisch zum Beispiel in einem Organspendeausweis eingetragen oder der Familie mündlich mitgeteilt werden. Ein Testament wird zu einem Zeitpunkt eröffnet, an dem es für eine Organspende bereits zu spät ist.

Ist es möglich, die Einwilligung zur Organspende zu widerrufen?

Ja. Wer seine Entscheidung ändern will, kann dies jederzeit im Organspendeausweis vermerken oder die Angehörigen darüber informieren.

Ist die Organspende möglich, wenn gleichzeitig eine Patientenverfügung existiert?

Ja. Man kann diese so verfassen, dass die Möglichkeit zur Organspende erhalten bleibt. Um Unsicherheiten und Konflikte zu vermeiden, ist es wichtig, gerade zu diesen Punkten eindeutige Angaben zu machen und die Angehörigen darüber zu informieren. Vom Bundesministerium der Justiz gibt es dazu ausformulierte Textvorschläge. Möglich ist z.B. "Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu. (Ggf.: Ich habe einen Organspendeausweis ausgefüllt). Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor.“

Stimmt es, dass der typische Organspender ein Unfallopfer ist?

Nein. Fast drei Viertel aller Organspender sind aufgrund von Gefäßerkrankungen des Gehirns, z.B. einem Schlaganfall, an einem Hirntod gestorben und nur ein Viertel an den Folgen einer äußeren Verletzung, die durch einen Unfall verursacht wurde.

 


Organtransplantation -
ein Geschenk fürs Leben

Was ist eine Organtransplantation?

Die Übertragung von funktionstüchtigen Organen auf einen schwer kranken Patienten. Die Organe haben Menschen nach ihrem Tod gespendet, um anderen zu helfen. Eine Niere oder ein Teil der Leber können sogar zu Lebzeiten an einen nahen Verwandten oder eine andere dem Spender nahe stehende Person gespendet werden. Die Organtransplantation ist heute ein gängiges Therapieverfahren und gehört zum Standard der medizinischen Versorgung.

Wann ist eine Transplantation notwendig?

Wenn beispielsweise durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall bestimmte Organe unheilbar geschädigt sind und sie ihre Funktionen im Körper nicht mehr übernehmen können. Dann ist die Verpflanzung von Spenderorganen meist die einzig mögliche und auch wirksamste Therapie.

Wie erfolgreich lassen sich Organe übertragen?

Durch vielfältige medizinische Entwicklungen sind die Erfolgsraten für alle transplantierten Organe ständig gestiegen und heute sehr hoch. Bei Nieren sind bis zu 85 Prozent der transplantierten Organe eines toten Spenders nach einem Jahr noch funktionstüchtig. Bei der Lebendspende sind es sogar 93 Prozent. Nach fünf Jahren arbeiten noch bis zu 70 bzw. 84 Prozent der Spendernieren. Bei Herz-, Leber-, Lungen- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen liegen die Erfolgsraten etwas darunter.

Gibt es Alternativen zu einer Transplantation?

Die Frage einer Transplantation stellt sich nur dann, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Organe versagen. Verlieren die Nieren ihre Funktion, kann die Wartezeit auf ein Spenderorgan durch eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) überbrückt werden. Auch bei Herzversagen gibt es durch das „Kunstherz“ eine Möglichkeit, das Leben des Patienten für eine bestimmte Zeit zu erhalten. Die wirksamste Hilfe bleibt jedoch die Übertragung eines funktionstüchtigen Organs.

 

Welche Bereiche regelt das Transplantationsgesetz?

Das Gesetz regelt die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen, die Menschen nach ihrem Tod oder zu Lebzeiten spenden. Die Kernpunkte für eine Organspende nach dem Tod sind: Organe dürfen erst entnommen werden, nachdem der Hirntod des Spenders von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt wurde. Ebenso muss eine Zustimmung zur Organspende vorliegen. Für die Übertragung der Organe haben die Transplantationszentren Wartelisten zu führen. Die Bereiche der Organentnahme, Organvermittlung und Organtransplantation sind organisatorisch und personell voneinander getrennt.

Eine Lebendspende ist nur zugunsten eines engen Verwandten, Ehepartners, Verlobten oder einer anderen dem Spender nahe stehenden Person möglich. Organhandel ist verboten und strafbar.

Nach welchen Kriterien werden die gespendeten Organe an die Empfänger vermittelt?

Für jedes Organ gibt es festgelegte Richtlinien von der Bundesärztekammer. Die Organvergabe geschieht ausschließlich nach diesen medizinischen Richtlinien. Im Vordergrund stehen hierbei die Dringlichkeit und Erfolgsaussicht. Die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden ist für die Vermittlung von Organen zuständig, die Menschen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Slowenien und Kroatien nach ihrem Tode gespendet haben. Durch den Zusammenschluss der Länder haben die Patienten eine größere Chance, ein passendes Organ zu erhalten oder in dringenden Fällen sehr schnell transplantiert zu werden.

Wie erfolgt die Aufnahme auf die Warteliste?

Sind Patienten aufgrund eines Organversagens auf eine Transplantation angewiesen, werden sie von ihrem Arzt bei einem Transplantationszentrum angemeldet. Die dort zuständigen Ärzte entscheiden zusammen mit den Patienten über die Aufnahme auf die Warteliste. Die Bundesärztekammer hat dazu Richtlinien für jedes Organ aufgestellt. Eine wichtige Voraussetzung ist beispielsweise, dass die Transplantation voraussichtlich erfolgreich sein wird.

Wie gelangt das Organ zum Empfänger?

Jedes entnommene Organ wird in einer konservierenden Lösung verpackt und in einer speziellen Transportbox, die mit sterilem Eis befüllt ist, zügig zu den entsprechenden Transplantationszentren gebracht. Der Transport muss möglichst schnell und reibungslos ablaufen, da die Organe nur für sehr begrenzte Zeit haltbar sind. Deshalb bleiben nur wenige Stunden von der Entnahme bis zur Übertragung. Der Transport kann je nach verbleibender Zeit und Entfernung per Flugzeug, Helikopter oder per Pkw erfolgen.

 

Medizinische Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hirntod und tiefem Koma?

Ein tiefes Koma ist ein Zustand der Bewusstlosigkeit. Reaktionen auf äußere Reize erfolgen bei den Betroffenen allenfalls automatisch als Reflex. Die Hirnfunktionen sind teilweise noch erhalten. Ein Erwachen ist möglich.

Der Hirntod dagegen ist der komplette und nicht mehr rückgängig zu machende Ausfall aller Funktionen des Gehirns. Es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten mehr. Er ist das sichere innere Todeszeichen des Menschen.

Wie kommt es zu Hirnschädigungen?

Hirnschädigungen können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. innere Blutungen, Herzinfarkt, Hirntumore oder schwere Kopfverletzungen. Auch durch einen Kreislaufstillstand, Schockzustände oder Ertrinkungs- und Erstickungsunfälle, die zu einem Sauerstoffmangel führen, kann das Gehirn als das empfindlichste Körperorgan absterben.

Wie wird der Hirntod festgestellt?

Der Hirntod des Organspenders muss gemäß dem Transplantationsgesetz von zwei erfahrenen Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Die Ärzte müssen ein vorgeschriebenes Untersuchungsschema durchführen und die Ergebnisse schriftlich festhalten. Sie dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Spenderorgane beteiligt sein, noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen. Die Bundesärztekammer hat genaue Richtlinien zur Durchführung der Hirntoddiagnose aufgestellt.

Kann ein Hirntoter wieder erwachen?

Nein. Der Nachweis des eingetretenen Hirntodes beweist, dass alle Funktionen des Gehirns unwiederbringlich erloschen sind. Die Ursache dafür ist ein Ausfall der Hirndurchblutung. Dies führt nach kurzer Zeit zum Absterben des Gehirns.

Wie wird die Übertragung von Krankheiten verhindert?

Zum höchst möglichen Schutz der Organempfänger veranlasst die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) die notwendigen Laboruntersuchungen. Dabei wird geklärt, ob bei dem Verstorbenen Infektionen oder Tumorerkrankungen vorliegen, die den Organempfänger gefährden könnten. Darüber hinaus werden Angehörige oder der Hausarzt befragt, ob beispielsweise durch Fernreisen Infektionen mit seltenen Erregern möglich sind. Weitere Untersuchungen werden bei Personen mit besonders hohem Infektionsrisiko durchgeführt. Trotz dieser umfangreichen Maßnahmen bleibt jedoch immer noch ein Restrisiko für den Empfänger bestehen.

Wird für die Organentnahme eine Narkose gegeben?

Nein, denn eine Narkose schaltet das Bewusstsein und die Schmerzempfindung durch eine Blockade zentraler Rezeptoren im Gehirn aus. Diese Strukturen sind beim Hirntod bereits vollständig und unumkehrbar abgestorben. Eine Narkose würde demnach nichts bewirken. Unabhängig davon können aber Reflexe auf der Ebene des Rückenmarks erhalten bleiben, solange diese Körperregion durch den künstlich aufrechterhaltenen Kreislauf noch durchblutet ist. Diese Reflexe können sich ungesteuert entladen und sind in ihrer Entstehung auch klar vom Gehirn abgrenzbar. Aus diesem Grunde werden häufig Medikamente zur Entspannung der Muskulatur verabreicht.

Wo findet eine Organspende statt?

Eine Organspende ist in jedem Krankenhaus mit einer Intensivstation möglich.

Wo finden Transplantationen statt?

Rund 50 Krankenhäuser, vorwiegend Universitätskliniken, führen Organverpflanzungen in so genannten Transplantationszentren durch. Die Zulassung als Transplantationszentrum ist gesetzlich geregelt und erfolgt über die Sozialministerien der Bundesländer. Pro Tag werden in Deutschland durchschnittlich elf Organe transplantiert.

 

Werden Spenderorgane zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet?

Nein. Sie dienen einzig dazu, anderen Menschen die Chance auf ein neues Leben zu schenken.

 

Fragen zur gesetzlichen Regelung und Finanzierung

Welche gesetzliche Regelung gilt in Deutschland?

Seit Inkrafttreten des deutschen Transplantationsgesetzes im Dezember 1997 gilt in Deutschland die so genannte „Erweiterte Zustimmungslösung“: Der Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten hat Vorrang. Liegt keine Zustimmung vor, z.B. in Form eines Organspendeausweises, werden die Angehörigen gebeten, eine Entscheidung nach dem vermuteten Willen des Verstorbenen zu treffen. Hat der mögliche Organspender die Entscheidung auf eine bestimmte Person übertragen, tritt diese an die Stelle des nächsten Angehörigen.

Was passiert, wenn ich im Ausland bin? / Welche gesetzlichen Regelungen gelten in anderen europäischen Ländern?

Die Organspende ist in den verschiedenen europäischen Staaten unterschiedlich geregelt. In Deutschland, wie beispielsweise auch in Dänemark, Griechenland und Großbritannien, gilt die erweiterte Zustimmungslösung. Das bedeutet, dass jeder Einzelne für sich entscheidet, ob er nach seinem Tod Organe spenden möchte. Der persönliche Wille ist rechtsgültig. Für den Fall, dass keine Entscheidung bekannt ist, entscheiden die Angehörigen oder eine vom Verstorbenen dazu bestimmte Vertrauensperson nach dem mutmaßlichen Willen des möglichen Organspenders.
In anderen Ländern, wie beispielsweise Österreich, Italien, Spanien und Slowenien, gilt die Widerspruchslösung. Hier wird erwartet, dass jeder, der eine Organspende für sich ablehnt, zu Lebzeiten seinen Widerspruch dokumentiert. Ist dies nicht geschehen, kann nach Feststellung des Todes eine Organentnahme durchgeführt werden. Wie die Organspende auch geregelt ist: Um sicherzustellen, dass der eigene Wille berücksichtigt wird, ist es sinnvoll, seine persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis festzuhalten und den Angehörigen mitzuteilen. Damit die eigene Entscheidung auch im fremdsprachigen Ausland verstanden und beachtet wird, empfiehlt es sich, ein übersetztes Beiblatt zum Organspendeausweis mitzuführen.

Warum gibt es in manchen Ländern mehr Organspender als in Deutschland?

Im internationalen Vergleich wird deutlich, dass viele Faktoren die Organspenderate beeinflussen. In Spanien beispielsweise sieht das Gesundheitswesen eine umfassendere personelle Unterstützung der Krankenhäuser im Organspendeprozess vor als in Deutschland. Es gibt eine weitaus höhere Zahl an Koordinatoren, die Krankenhausmitarbeiter entlasten und sich in den Kliniken für die Organspende engagieren. Die große Spendebereitschaft der US-Amerikaner wird stark durch öffentliche Kampagnen gefördert, die den Patriotismus der Bürger ansprechen. Im amerikanischen Alltag ist das Thema Organspende überall präsent und wird aktiv beworben. Auch Unternehmen unterstützen staatliche Initiativen und motivieren ihre Mitarbeiter zur Organspende.

Weshalb wird das Gesetz in Deutschland nicht geändert, so dass jeder automatisch Organspender ist, wenn er nicht widerspricht?

Ob die Einführung der Widerspruchslösung tatsächlich zu mehr Organspenden führen würde, wird von Experten sehr kontrovers diskutiert. Während Kritiker der derzeit geltenden Zustimmungslösung in einer Gesetzesänderung den Hebel zu mehr Organspenden sehen, plädiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation für eine konsequentere Beteiligung der Krankenhäuser an der Gemeinschaftsaufgabe Organspende und für mehr Aufklärung innerhalb der Bevölkerung.

Wie wird in Deutschland die Organspende finanziert?

Durch die Krankenkassen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ist bundesweit für die Vorbereitung und Durchführung der Organspende zuständig. Sie erstattet den Krankenhäusern die Kosten für die Organspende nach festgelegten Pauschalen. Zudem zahlt sie die Untersuchungen und den Transport der Spenderorgane zu den Transplantationszentren. Das entsprechende Budget wird der DSO vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Transplantation einschließlich der anteiligen Kosten der DSO übernimmt die Krankenversicherung des Empfängers.

Wer trägt die Kosten für eine Transplantation?

Die Krankenkasse des Organempfängers. Das gilt ebenso bei Lebendspenden. Auch hierfür werden die notwendigen Voruntersuchungen, die Organentnahme und -übertragung von der Krankenkasse des Transplantatempfängers getragen.

 

Quelle: www.fuers-leben.de